Geschichte

Frühgeschichte

Der Ortsname Galgenen erscheint erstmals im Jahre 1229 als Herkunftsbezeichnung zweier Ministerialen in der Begleitung Vogt Rudolfs von Rapperswil mit Rudolf und U. «de Galgenee», die einem Herrengeschlecht, vermutlich mit Wohnsitz auf der ehemaligen Burgstelle Ruchenstein (Villa Schwander, Schleipfenmühle/Fuchsrons) angehörten. Galgenen ist im Jahre 1275 mit einer Pfarrkirche erwähnt. Im Zuge der Ausdehnung der jungen Eidgenossenschaft bzw. des alten Landes Schwyz kam Galgenen im Jahre 1405 zum Kanton Schwyz.

Galgenen als Ortsname

Alle Bemühungen der Geschichtsforscher, die Herkunft und den Sinn des Ortsnamens Galgenen zu deuten, führten bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis. Die Vermutung, dass der Name Galgenen mit Galgala bei Jericho oder mit einem Galg- oder Galtbrunnen in Verbindung gebracht werden kann, haben sich ebensowenig bestätigt wie eine Verbindung mit dem altromanischen Plural «calcanja», was soviel wie Ferse, d.h. eine fersenförmig vorspringende Geländeformation, bedeuten würde.

Geografische Lage und Grösse

Das Gebiet der Gemeinde Galgenen umfasst eine Fläche von 1'326 Hektaren und liegt zwischen 430 und 1272 Meter über Meer. Die Grenzen werden grösstenteils natürlich gebildet, und zwar im Norden und Osten durch die Wägitaler Aa und im Westen durch den Lauf des Spreitenbaches. Die beiden Schwerpunkte bilden der Dorfteil Galgenen und der Dorfteil Siebnen-Galgenen. Die Ortschaft Siebnen gehört politisch zu den drei Gemeinden Schübelbach, Wangen und Galgenen. Die Grenzen verlaufen mitten durch den Dorfkern. Einzig kirchlich und postalisch bildet Siebnen eine Einheit. Die strukturell in sich geschlossene Dorfgemeinschaft verfügt in der Folge über keine kommunale Selbstverwaltung. Örtlich zu regelnde Angelegenheiten sind deshalb vielfach Kompromisse zwischen den kollektiven Bedürfnissen der Ortschaft Siebnen als Ganzes und den Entscheidungen der Muttergemeinden. Die Selbstverwaltung im öffentlichen Bereich ist dreigeteilt. Dass es bis heute trotz des Fehlens einer kommunalen Autonomie gelungen ist, die bevölkerungsbezogenen Rahmenbedingungen in fast allen Bereichen der örtlichen Infrastruktur so in Einklang zu bringen, dass keine ernsthafteren Konflikte entstanden sind, mag den Aussenstehenden zunächst erstaunen. Die Standortgunst, die gute Verkehrslage, die vorgegebenen wirtschaftlichen Strukturen, sehr viel positive Eigeninitiative der Dorfbewohner und privater Körperschaften, aber auch die wachsende Solidarität der Muttergemeinden, haben ungeachtet der komplizierten Rechtsverhältnisse die Entstehung und den Ausbau einer wohnlichen Dorfgemeinschaft gefördert.

Siedlungsentwicklung in Galgenen und Siebnen-Galgenen

Bis vor einigen Jahrzehnten bestand der Dorfteil Galgenen aus zahlreichen, weit zerstreuten Gehöften, die von der fruchtbaren Ebene bis weit hinauf in den Galgener Berg reichten. Landschaft und Bewirtschaftung waren in hohem Masse von den Bachläufen geprägt, die mit Hochwasser und Schutt die Siedlungstätigkeit einschränkten. Die schnurgerade Landstrasse, heute Kantonsstrasse genannt, wurde 1840 gebaut und löste keine grosse Bautätigkeit aus. Links und rechts befanden sich kleinere und grössere Heimwesen mit den saftigen, mit Obstbäumen zahlreich bepflanzten Matten und Wiesen. Heute noch besteht eine grosse Anzahl Bergheimwesen, die den Vorder- und Hinterberg bis auf eine Höhe von 1100 Meter besiedeln. Die Industrialisierung begann schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und breitete sich von Siebnen her über die ganze March aus. Im Jahre 1834 wurde in Siebnen durch Caspar Honegger (1804 bis 1881) eine Weberei in Betrieb genommen. Mit der Betriebseröffnung der Bahnlinie Zürich-Ziegelbrücke im Jahre 1875 ergaben sich für die wirtschaftliche Weiterentwicklung neue Perspektiven. Das Dorf Siebnen entwickelte sich zusehends. Weitere neue Fabriken wurden gebaut, so die Spinnerei Hürlimann (heute Gewerbehaus) an der Wägitalstrasse 42 und im Jahre 1896 die Möbelfabrik Rüttimann, die in der Hochblüte um die 300 Angestellte zählte. In Galgenen wurde im Jahre 1863 die Mechanische Weberei am Spreitenbach/Zeughausstrasse (1936 von der Firma Ruoss-Kistler übernommen) in Betrieb genommen. Galgenen verkörpert seiner Lage nach noch heute das charakteristische Bild einer Landgemeinde. Der Bevölkerungszuwachs betrug vom Jahre 1900 bis zum Jahre 1950 lediglich 889 Personen, während die Bevölkerung allein in den Jahren 1985 bis 2000 um 895 Personen anstieg. Gegen Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre setzte auch in der Gemeinde Galgenen ein regelrechter Bauboom ein. So entstanden innert kurzer Zeit neue Wohnquartiere im Buechli, in der Achern, Steinweid, Heizen usw. Die Lebens- und Wohnqualität darf in unserer Gemeinde mit der ruhigen Lage abseits der Autobahn und dem nahen Erholungsraum als ausgezeichnet taxiert werden. Durch verschiedene aufstrebende Gewerbe- und Handelsbetriebe kann auch eine schöne Anzahl an Arbeitsplätzen angeboten werden. Das Ziel der Behörden ist und bleibt, Galgenen eine vernünftige Entwicklung angedeihen zu lassen unter Berücksichtigung der guten Wohnqualität und unter Beibehaltung des ländlichen Charakters der Gemeinde.

Pfarrkirche St. Martin

Bild der St. Martinskirche GalgenenDas Dorfbild von Galgenen wird beherrscht durch die in den Jahren 1822-25 erbaute und dem heiligen Martin geweihte Pfarrkirche. Die erste urkundlich bekannte Kirche stammt aber aus dem Jahre 1275. In diesem Jahr tritt Galgenen auch als Pfarrei in Erscheinung. Der Neubau der zweiten Kirche dauerte von 1472 bis 1477. Im Jahre 1689 fand ein durchgreifender Umbau statt. Die heutige Pfarrkirche gilt als eine der originellsten katholischen Kirchen des Schweizer Klassizismus.

Kapelle St. Jost an der Obergasse

JostenkapelleUnmittelbar nördlich an der alten Landstrasse (Obergasse), einem früher vielbegangenen Verkehrs- und Pilgerweg, steht die Kapelle St. Jost, die erstmals am 30. Dezember 1362 in einem Ablassbrief erwähnt wird. Die Kapellweihe fand am 10. September 1398 statt. 1622 wurde diese Kapelle intensiv umgebaut und erhielt dabei ihr heutiges Gesicht. Interessant ist dabei, dass noch zu dieser Zeit spätgotische Formen, vermischt mit modernen Renaissanceelementen, angewandt wurden. Kennzeichen der Kapelle sind die Wandmalereien, die an der Südfassade angebracht sind sowie auch die spätgotischen Altäre. Die Ausstattung der Kapelle St. Jost, die im Jahre 1987/88 einer umfassenden Aussenrestaurierung und Dachstuhlsanierung unterzogen wurde, gehört zum Wertvollsten auf dem Kantonsgebiet. In den Jahren 2011/2012 wurde die Kapelle St. Jost auch noch einer umfassenden Innenrestaurierung unterzogen.

Kirchenkreise

Am Sonntag, dem 31. Juli 1927, wurde auf Weisung des Bischofs Georgius von Chur das bisherige Vikariat Siebnen zur Pfarrei erhoben. Pfarrkirche ist die am 19. Juni 1927 eingeweihte Herz-Jesu-Kirche in Siebnen. Von der Kirchgemeinde Galgenen musste das ganze Gebiet des Dorfteils Siebnen-Galgenen an die neue Kirchgemeinde abgetreten werden. Die Grenze wurde wie folgt gezogen: Vom Fabriksteg der Firma Wirth durch das Strässchen gegen die Kantonsstrasse, von dort etwas westlich bis zur Paradiesliegenschaft, Richtung Büelstrasse, über diese hinaus durch die Runse zur Vorderbergstrasse und dieser entlang bis zum Reservoir, von dort durch den Fussweg zum Büelberg und über den Höhenzug des linken Aaportes und die Wägitalstrasse zur Grenze der Gemeinde Vorderthal. Mit der Gebietsaufteilung konnte sich die Kirchgemeinde Galgenen nie recht anfreunden. Dies bewiesen verschiedene Eingaben an das bischöfliche Ordinariat in Chur. Auf sämtliche Gesuche um eine Revision der Grenzen wurde jedoch nicht eingetreten, so dass diese bis heute immer noch ihre Gültigkeit haben und die Gemeinde Galgenen in zwei Kirchenkreise trennen.